Erhöhte intrasynaptische
Dopamin-Freisetzung beim Tourette-Syndrom, gemessen mittels
PET
Singer HS, Szymanski S, Giuliano J, Yokoi F, Dogan AS,
Brasic JR, Zhou Y, Grace AA, Wong DF.
Department of Neurology, Johns Hopkins University School
of Medicine, Baltimore, MD, USA
Am J Psychiatry. 2002
Anomalien im dopaminergen System in frontal-subkortikalen
Kreisen werden als zugrunde liegende pathophysiologische
Mechanismen beim Tourette-Syndrom postuliert. Das Ziel der
vorliegenden Studie war es, die Hypothese zu testen, dass
eine präsynaptische Dopamin-Freisetzung vom Striatum
in Erwachsenen mit Tourette Syndrom anomal ist. Bei sieben
Erwachsenen mit Tourette Syndrom und 5 altersgemischten
Kontrollen wurde eine PET (Positronenemissionstomographie)
mit 11.C-Racloprid durchgeführt. Die erste Aufnahme
folgte einer iv Injektion von physiologischer Kochsalzlösung,
die zweite einer iv Injektion von Amphetamin. Die relative
Dopamin-Freisetzung wurde als prozentualer Unterschied im
Bindungspotenzial zwischen post-Saline und post-Amphetamin-Scan
berechnet. Das Bindungspoten-zial nach dem anfänglichen
11.C-Racloprid-Scan unterschied sich nicht signifikant bei
Tourette Syndrom-Patienten und Kontrollen. Nach der Amphe-tamin-Gabe
stieg der mittlere Wert des intrasynaptischen Dopamins im
Putamen bei den Tourette Syndrom-Patienten um 21 %, bei
den Kontrollen jedoch nicht. Die Dopamin-Freisetzung in
der Caudatus-Region unterschied sich bei Tourette Syndrom-Patienten
und Kontrollen nicht signifikant. Zusammenfassend lässt
sich sagen, dass in Erwachsenen mit Tourette Syndrom nach
einer Gabe von Amphetaminen eine größere Dopamin-Frei-setzung
im Putamen beobachtet werden kann.
Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass
die zugrunde liegende Pathophysiologie des Tourette Syndrom eine phasische
Dysfunktion der Dopamin-Übertragung ist.