Junge mit Tourette Syndrom ist genau wie
die Anderen
Autor: Michel Power
Wyatt Stasyshyn und seine Mutter Megan
sind überzeugt, Wyatts Buch über seine Erfahrungen
mit dem Tourette Syndrom wird Kindern helfen, die Krankheit
zu verstehen und mit anderen betroffenen Kindern natürlich
umgehen zu können.
In seinem Buch über die Krankheit
macht der neunjährige Wyatt Stasyshyn deutlich, dass
es nur sehr wenige Unterschiede zwischen ihm und anderen
Kindern seines Alters gibt. „Obwohl ich Tourette habe,
bin ich genau wie alle anderen“, schreibt der Junge
aus Newmarket. „Es ändert nichts daran, wer ich
bin, es ist nur etwas, dass ich habe. Ich bin trotzdem immer
noch wie jeder andere auch. Ich tue genau die gleichen Dinge
gerne, wie alle neunjährigen Jungen.“ Wyatt,
bei dem im Alter von fünf Jahren das Tourette Syndrom
diagnostiziert wurde, schreibt ein Buch, um anderen Kindern
den Umgang mit einer Krankheit beizubringen, die viel zu
oft missverstanden wird.
Wyatt hat bereits
vor anderen Schülern
Präsentationen über Tourette an der örtlichen
Schule abgehalten, wo er selbst die vierte Klasse besucht.
Wenn er über Tourette spricht oder schreibt, so tut
Wyatt dies auf sehr sachliche Weise. „So ist nun mal
das Leben”, sagt er, während er im Wohnzimmer
bei seiner Familie in Newmarket sitzt. „Es ist jedoch
kein Teil eines selbst - nur etwas, dass man hast.“
Das angeborene Syndrom ist charakterisiert
durch unfreiwillige Bewegungen wie beispielsweise Augenblinzeln,
Schulterzucken oder Kopfrucken. Komplexere Tics können
auch das Springen, oder Riechen und Berühren von Dingen
und Menschen beinhalten. Manche Menschen, die von Tourette
betroffen sind, zeigen auch vokale Tics wie zum Beispiel
Pfeifen, Summen oder Gurgeln. Andere vokale Tics zeichnen
sich durch das Wiederholen von Ausdrücken und Wörtern
oder seltener Flüchen aus. Unfreiwilliges Fluchen,
die sogenannte Koprolalie, betrifft etwa 15 Prozent aller
von Tourette Betroffenen. Manche Menschen mit Tourette haben,
wie auch Wyatt, Begleiterkrankungen wie etwa ADHS und Zwangsstörungen.
In seinem Buch führt Wyatt die verschiedenen
Arten von Tics auf, die bei Tourette vorkommen können
und beschreibt Strategien, wie er selbst mir diesen Tics
umgeht. Er schreibt ebenso über seine Medikation und
wie diese ihn beeinflusst.
Wyatt hat bereits in der zweiten Klassenstufe eine Präsentation
abgehalten, nachdem seine Altersgenossen anfingen zu begreifen,
dass er eine Krankheit hat, welche sie nicht verstanden.
„Einige Kinder haben etwas an ihm bemerkt, sie sahen
die Tics und fragten sich, was das ist“, sagt Wyatts
Mutter Megan Stasyshyn. Sie selbst ist von ADHS, Tics und
Zwangsstörungen betroffen. „Wir sind eben eine
Familie voller Geräusche und Bewegung,“ sagt
sie.
Bei der Präsentation in der zweiten
Klasse schauten die Schüler zuerst einen neunminütigen
Film über die Krankheit an und lasen in einem Buch
über das Tourette Syndrom nach. Anschließend
befragte der Lehrer Wyatt zu seinen Erfahrungen und zum
Abschluss wurde Raum für Fragen von seinen Klassenkameraden
gegeben.
Die Schule hat sich positiv auf sein Befinden ausgewirkt,
sagt Wyatt. Er kann das Klassenzimmer jederzeit verlassen,
um einige seiner Tics „rauszulassen“. Manche
Betroffene können nämlich ihre Tics für eine
gewisse Zeit unterdrücken. Auf der anderen Seite kann
Stress die Tics verstärken.
Jede Bemühung, die Betroffene unternehmen,
um ihre Mitmenschen über die Krankheit aufzuklären,
ist ein guter Schritt, so der Vorsitzende der Tourette Gesellschaft
in Ontario, Richard Hensley. Im Gegensatz zu anderen Krankheiten
wie Autismus, die in den letzten Jahren eine große
Aufmerksamkeit durch die Medien erlangt haben, ist das Tourette
Syndrom weiterhin wenig bekannt in der Bevölkerung,
wie auch bei einigen Ärzten, sagt er. „Ich denke,
für betroffene Kinder ist es der wichtigste Augenblick
ihres Lebens, wenn sie erstmals für sich selbst eintreten,
da sie gewissermaßen ihr ganzes Leben lang für
sich selbst eintreten werden müssen.“
Für weitere Informationen zum Tourette Syndrom wenden
Sie sich gebührenfrei an die Tourette Gesellschaft
in Ontario unter 1-888-274-222.
Quelle des Originaltextes: http://www.yorkregion.com/article/54868
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