Vergrößerter Nucleus
thalamicus beim Tourette-Syndrom
Department of Psychiatry, New York State
Psychiatric Institute, Columbia University, New York, USA
Arch Gen Psychiatry. 2010
Die Basalganglien und der Thalamus sind in einer komplexen
Regelschleife (Loop) mit dem Cortex verbunden. Frühere
bildgebende Studien haben bei Patienten mit Tourette-Syndrom
Modifikationen der Basalganglien und der kortikalen Ziele
aufgezeigt, doch ist über die Rolle des Thalamus in
der Pathogenese des TS wenig bekannt. Das Ziel der vorliegenden
Studie war es daher, morphologische Eigenschaften des Thalamus
bei Kindern und Erwachsenen mit Tourette Syndrom zu untersuchen.
Bei der Studie handelt es sich um eine
Querschnittsstudie mittels Magnetresonanztomographie (MRT).
Die 283 Teilnehmer beinhalteten 149 mit Tourette Syndrom
(TS) und 134 gesunde Kontrollen im Alter von 6-63 Jahren.
Gemessen wurden die konventionellen Volumina sowie die Oberflächenmorphologie
des Thalamus. Übereinstimmend zeigten sich Vergrößerungen
des Thalami bei TS-Betroffenen. Die Gesamtvolumina waren
bei den von TS-betroffenen Kindern und Erwachsenen um 5%
größer. Statistische Karten der Oberflächenkonturen
zeigten Vergrößerungen über dem lateralen
Thalamus. Es zeigte sich dass Unterschiede hinsichtlich
des IQs, komorbider Erkrankungen und Medikationen bei diesen
Befunden keine Rolle spielten.
Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass morphologische Anomalien im Thalamus, zusammen mit
den Befunden, die im sensormotorischen Cortex, im Striatum
und im Globus pallidus berichtet wurden, die Hypothese einer
den Regelkreis betreffenden Störung in den motorischen
Leitungsbahnen bei Tourette unterstützen. Die Konnektivität
und Funktion der zahlreichen und diversen Nuclei thalamici
innerhalb der cortikal-subcortikalen Regelkreise schaffen
eine anatomische Verknüpfung innerhalb derer Vergrößerungen
der Nuclei thalamici eine Aktivitäts-abhängige
Hypertrophie innerhalb dieser Komponente der cortikal-subcortikalen
motorischen Regelkreise repräsentieren oder eine adaptive
Reaktion innerhalb eines größeren vermeintlichen
kompensatorischen Systems, das dadurch direkt die Aktivität
in den motorischen Regelkreisen modulieren kann, um die
Schwere von Tics zu dämpfen.