Bewertung der Nuclei der grauen Substanz
bei erwachsenen Tourette-Syndrom-Patienten mittels Diffusion-Tensor-Imaging
Institute of Neuroscience and Medicine, Forschungszentrum
Juelich GmbH, Juelich, Germany
Neurosci Lett. 2011 Jan
Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine neuropsychiatrische
Erkrankung mit motorischen und vokalen Tics. Der Beginn der Krankheit
liegt in der Kindheit; zahlreiche Patienten erleben später eine
Reduktion von Tic-Stärke und –frequenz, so dass man davon
ausgeht, dass die beteiligten Regelkreise eine Rolle während der
Entwicklung spielen. Die Forschung hat sich bislang vorwiegend auf
den cortico-striato-thalamo-corticalen Regelkreis fokussiert, doch
lassen klinische Symptome und neuere bildgebende Verfahren vermuten,
dass auch limbische Strukturen beteiligt sind.
Die Autoren erfassten diffusionsgewichtete MRT-Daten
bei 1.5 T in 15 erwachsenen Patienten, die die DSM-IV-TR Kriterien
für TS erfüllen und in einer gesunden Kontrollgruppe. Basierend
auf dem Harvard-Oxford-Atlas für subcortikale Strukturen untersuchten
sie die Mikrostruktur der Nuclei der grauen Substanz wie Nucleus accumbens,
Amygdala, Putamen, Pallidum und Thalamus. Die Basalganglien und der
Thalamus zeigen beim direkten Vergleich zwischen TS-Patienten und gesunden
Kontrollen keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Diffusionsindices.
Innerhalb der TS-Gruppe zeigen die Korrelationskoeffizienten zwischen
Diffusionsparametern und Messungen der Tic-Schwere, dass die individuelle
Mikrostruktur der Basalganglien einen Einfluss auf den individuellen
klinischen Phänotyp hat. Untersuchungen der Mikrostruktur der
Amygdala und des Nucleus accumbens bei TS zeigt einen signifikanten
Unterschied für den linken Nucleus accumbens und die rechte Amygdala.
Die Befunde lassen zwei pathophysiologische Muster
bei TS vermuten. Ein Muster könnte die veränderte Konnektivität
anzeigen, basierend auf der Korrelation zwischen der erhöhten
mittleren und axialen Diffusivität in den Basalganglien und der
Tic-Schwere. Das andere Muster ist charakterisiert durch einen Anstieg
der radialen Diffusivität in der Amygdala und der Korrelation
zwischen radialer Diffusivität im Nucleus accumbens und Tic-Messungen,
die eine möglicherweise veränderte Myelinierung andeuten.