Nicht nur ein von Tourette betroffenes
Kind, sondern auch dessen Geschwister brauchen Unterstützung,
um mit dieser besonderen familiären Situation umgehen
zu können.
Es folgen einige praktische Tipps und Anregungen
für den Umgang mit Geschwisterkindern und für
die ganze Familie. Natürlich sind diese nicht als Patentrezepte
zu verstehen. Jedes Kind ist anders, hat eigene Wünsche
und Bedürfnisse und reagiert individuell.
Was Geschwisterkinder brauchen
Gespräche über
das Krankheitsbild
Die Geschwister eines Kindes mit Tourette sind meist nicht
bei den ärztlichen Untersuchungen dabei und verstehen
nicht unbedingt, was es mit der Krankheit auf sich hat.
Sie machen sich aber ihre eigenen Gedanken und neigen dazu,
sich selbst für Dinge verantwortlich zu machen. Daher
brauchen sie altersgerechte Informationen darüber,
was Tourette ist, wie es verursacht wird, welche Symptome
auftreten und wie man damit umgehen kann. Das Auffassungsvermögen
von Kindern ist natürlich je nach Alter und Entwicklungsstand
sehr verschieden und verändert sich mit der Zeit. Daher
sollten die Informationen im Laufe der Zeit jeweils auf
verschiedene Weise vermittelt werden.
Subtile Zeichen deuten
Kinder können ihre Sorgen und Ängste nicht immer
in Worten ausdrücken, teils sind sie ihnen nicht einmal
bewusst. Sie zeigen ihre Belastung vielleicht auf stille
Weise durch kleine Gesten oder aber durch Wutausbrüche,
widersprüchliches Verhalten o.ä. Deshalb ist es
wichtig, feinfühlig auf die „Sprache des Kindes“
zu hören.
Auf mögliche Schuldgefühle
achten
Gesunde Geschwisterkinder fühlen sich manchmal schuldig,
weil ihr Bruder oder ihre Schwester krank ist und sie selbst
nicht. Es ist deshalb wichtig, mit dem Kind über die
faktischen Hintergründe der Krankheit zu sprechen und
ihm zu vermitteln, dass niemand für die Krankheit verantwortlich
ist.
Verständnis für
Gefühle der Verbitterung
Geschwister von chronisch kranken Kindern fühlen sich
häufig vernachlässigt, da das betroffene Kind
viel Aufmerksamkeit bekommt und die Krankheit häufig
im Mittelpunkt des Familiengeschehens steht. Deshalb ist
es wichtig, darauf zu achten, dass auch das nicht betroffene
Kind persönliche Kontaktzeit mit den Eltern bekommt
– also Zeit, die ganz allein ihm und einem Elternteil
gehört, um etwas zu unternehmen oder einfach nur zusammen
zu sein.
Auf den Druck achten,
dem sich das Kind aussetzt
beispielsweise in Schule, Sport oder eigenem Verhalten.
Es könnte sonst sein, dass es sich selbst überfordert.
Vielleicht möchte es die familiären Belastungen
ausgleichen, indem es sehr gute Leistungen in Schule und
Sport erbringt oder versucht, ein mustergültiges Kind
zu sein, damit die Eltern wenigstens mit ihm keine Sorge
haben. Auch können Eltern dazu neigen, zu viel von
dem gesunden Kind zu erwarten. Deshalb braucht es stets
die Gewissheit, dass seine Eltern stolz sind und es genauso
lieben, wie es ist, unabhängig davon, was es tut oder
welche Leistungen es erbringt.
Kontakt zu anderen Kindern
in ähnlichen Situationen
Es kann eine große Entlastung sein, andere Kinder
mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen, sich miteinander
auszutauschen und so ein eigenes kleines helfendes Beziehungsnetz
außerhalb der Familie zu knüpfen.
Verständnis für
die Sorge, auch zu erkranken
Indem man Fakten über die Hintergründe und das
gewöhnliche Diagnosealter von Tourette aufklärt,
sollte man versuchen, das Kind zu beruhigen und ihm die
Angst zu nehmen.
Verständnis für
Wut
Es ist ganz natürlich, dass das Geschwisterkind auch
manchmal Wut empfindet, beispielsweise einfach über
die Tatsache, dass ihr Bruder oder ihre Schwester krank
ist, dass er/sie so viel Aufmerksamkeit erhält, dass
die Krankheit die Familie so stark beeinflusst und darüber,
dass es selbst nichts tun kann, um zu helfen. Gerade weil
Geschwister kranker Kinder sehr häufig Rücksicht
nehmen und eigene Bedürfnisse zurückstellen müssen,
kann Wut ein wichtiges Ventil sein.
Tipps für die ganze Familie
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Jedes
Kind braucht persönliche Kontaktzeit mit den
Eltern nur für sich allein. |
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Eltern brauchen
Auszeiten und Entlastung, um selbst wieder Kraft zu
tanken. Sonst können Sie Ihren Kindern keine
Stütze sein. |
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Gemeinsame Aktivitäten
und Ausflüge mit der ganzen Familie - sei es
ein der Besuch eines Bowlingcenters oder einfach ein
gemütlicher Spieleabend daheim - schweißen
zusammen und bereichern den Alltag. |
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Jedes Kind braucht
die Gewissheit, dass er oder sie mit seiner oder ihrer
ganz speziellen Art etwas besonderes ist. |
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Gesellschaftliche
Ereignisse mit der ganzen Familie sind eine schöne
Abwechslung vom Alltag und Basis für außerfamiliäre
Kontakte. |
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Selbstständige
Aktivitäten mit Gleichaltrigen außerhalb
der Familie, - z.B. die Teilnahme an Malkursen, Fußballtraining
o.a. - entsprechend der Interessen. und Fähigkeiten
der Kinder sind sehr wichtig, denn sie fördern
Selbstständigkeit, soziale Kompetenz und sorgen
für Erfolgserlebnisse. |
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In einem Verein
oder einer Selbsthilfegruppe zum Thema Tourette kann
man Kontakte zu anderen Familien in ähnlichen
Situationen knüpfen und sich austauschen. |