Interessenverband Tic & Tourette
InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V.
 
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ADS / ADHS

Was ist ADHS?
Prävalenz
Ursachenforschung
Auswirkungen auf das Verhalten
Symptome
Diagnostik
Wie wird ADHS behandelt/therapiert?
Pharmakotherapie
Experten-Interview zum Thema ADHS
TV-Beitrag aus der Sendung "Vita" mit Informationen zu ADHS und einem Interview mit Dr. Skrodzki und Prof. Huss
 
Videostream: WissenschaftsFORUM Petersberg vom 23.11.2008

"Zank um das Zappelphilipp-Syndrom - " Was tun gegen ADHS?" - Nina Ruge diskutiert im WissenschaftsFORUM Petersberg mit Prof. Gerd Lehmkuhl (Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universität Köln), Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt), Dr. Myriam Menter (Vorsitzende von ADHS Deutschland e.V.) und Dr. Hans-Joachim Weber (Medizinischer Direktor der Lilly Deutschland GmbH).

 
ADHS im Erwachsenenalter
Leitlinien auf der Basis eines Expertenkonsensus mit Unterstützung des DGPPN
 
ADHS bei Erwachsenen
Sichtweisen und Empfehlungen Lilly Dtld.
 
Die Behandlung der adulten Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) mit Methylphenidat versus Atomoxetin: systematische Review
 
Links

 

 

 

 

 

 

 

Was ist ADHS?

ADHS zeichnet sich überwiegend aus:

durch eine Beeinträchtigung der Daueraufmerksamkeit und Konzentrationsspanne

durch Störung in der Impulskontrolle (unüberlegtes, meist überzogenes Handeln und reagieren)

duch Hyperaktivität

 

ADHS wird in drei Untergruppen gegliedert:

Der Hyperaktive ADHS-ler („Zappelphillip“) scheint von ständiger innerer Unruhe und Hektik angetrieben zu sein und ist ununterbrochen in Bewegung, sowie sehr impulsiv im Handeln.

Der ADHS-ler ohne Hyperaktivität („Träumerchen“) scheint mit seinen Gedanken meist ganz wo anders zu sein und geht alles langsam und gemächlich an. Das Träumerchen weist nur Aufmerksamkeitsproblematiken auf.

Der Mischtypus weist sowohl  Aufmerksamkeitsproblematiken als auch die Impulskontrollstörungen auf.


Alle drei Gruppen haben als Folge dieser Problematiken.erhebliche Probleme in ihrem sozialen Umfeld (Schule, Familie, Freunde, Verwandte).

Weitere, noch gebräuchliche Bezeichnungen für die mittlerweile einheitliche Bezeichnung, sind:

ADS:
Abkürzung Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (auch gängige Bezeichnung für ADHS-ler ohne Hyperaktiviät
ADD /ADHD: Abkürzung kommt aus dem englischen „Attention Deficit (Hyperactivity) Disorder“
HKS:
Abkürzung für „Hyperkinetisches Syndrom“ (frühere Bezeichnung)
MCD: Abkürzung für minimale cerebrale Dysfunktion
POS:
Psychoorganisches Syndrom (wird oft in der Schweiz verwendet)

 

Prävalenz

Es wird geschätzt das etwa 3-10% aller Kinder vom ADHS betroffen sind. Jungen erkranken etwa 3 mal häufiger als Mädchen. Der Hyperaktive ADHS-ler wird überwiegend bei den Jungen angetroffen und das „Träumerchen“ überdurchschnittlich oft bei den Mädchen.

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Ursachenforschung

Gänzlich geklärt ist noch nicht, warum die einen Kinder am ADHS erkranken und die anderen wiederum nicht (Geschwister). Es wird jedoch davon ausgegangen, das ein angeborener genetischer Defekt innerhalb des Hirnstoffwechsels zugrunde liegt.

Begründung dafür ist eine auffallende Häufigkeit innerhalb des Familienstammbaumes (Eltern Geschwister oder andere Verwandte). Die Wahrscheinlichkeit an einem ADHS zu erkranken liegt etwa bei 20-30%, wenn ein Elternteil ein ADHS aufweist, so schätzt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Als weitere Ursachen für die Erkrankung werden Umweltgifte, Nahrungsmittelallergien, Sauerstoffmangel während der Geburt, als auch Drogen, Alkohol und Nikotin in der Schwangerschaft diskutiert.

Schlechte Erziehung oder negative Kindheitserfahrungen seien als eigentliche Ursachen auszuschließen, so der BVKJ.

Hirnorganische Erklärung

Nach dem derzeitigen Wissensstand geht die Forschung davon aus, dass bei ADHS-Kindern, bedingt durch eine angeborene Stoffwechselstörung im Gehirn, die Informationsverarbeitung / Kommunikation zwischen Stirn- und Zwischenhirn nicht richtig funktioniert.

Betroffen sind die Stammganglien und das Frontalhirn - Gehirnabschnitte, die für Aufmerksamkeit, Ausführung und Planung, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind oder anders gesagt, die Schaltstelle des Gehirns, in der das Denken, Planen und Lernen koordiniert wird.

Das Gehirn benötigt zur Weiterleitung von Informationen und Befehlen die Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin oder Serotonin. Diese sind wichtig für Aufmerksamkeit, Antrieb und Motivation. Bei ADHS-Kindern übertragen diese Botenstoffe (Neurotransmitter) die Informationen zwischen den Gehirnzellen nur noch eingeschränkt.

ADHS ist somit weder eine Modeerscheinung noch eine Entschuldigung für unangepasstes Verhalten, aber eine Erklärung dafür.

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Wie wirkt sich das folglich aufs Verhalten aus?

ADHS-ler können sich nur schwer konzentrieren und extrem leicht ablenkbar.
Sie haben einen „hüpfenden“ Wahrnehmungsstil (von einem interessanten Ereignis zum nächsten, je nachdem was, gerade interessanter erscheint, in den Blickwinkel gerät). Außerdem leiden ADHS-ler unter Stimmungsschwankungen. Sie können Wichtiges von Unwichtigem nicht unterscheiden. Hinzu kommt, sie vergessen sehr schnell.

Da diese „Filter“ nicht funktionieren, werden ADHS-ler mit Hyperaktivität unruhig und impulsiv (was oftmals als "aggressiv" missgedeutet wird).

Das „Träumerchen“ hingegen, vergisst, driftet ab, und macht den Anschein immerzu zu trödeln.

Bedingt durch die Misserfolge und Zurechtweisungen stehen alle drei ADHS-Typen unter ständiger innerer Anspannung, was die ursprüngliche Problematik bzw. das ursprüngliche Störungsbild immer weiter verstärkt.

 

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Leitlinie Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V.

1. Symptome

a) Mindestens sechs der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit treten seit wenigstens sechs Monaten auf und sind keine altersgemäße Entwicklungsphase:

Beachtet Einzelheiten nicht genau oder macht Flüchtig-keitsfehler.

Hat Mühe, sich längerfristig zu konzentrieren.

Scheint oft nicht zuzuhören, wenn direkt angesprochen.

Führt oft Anweisungen nicht vollständig aus oder beendet Aufgaben nicht.

Hat Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten planvoll abzuwickeln.

Vermeidet, übernimmt nur ungern oder verweigert oft Aufgaben, die anhaltende Konzentration erfordern.

Verliert Dinge wie Spielzeug oder Hausaufgabenheft, die für bestimmte Aufgaben notwendig sind.

Wird leicht durch unwesentliche Reize abgelenkt.

Ist oft vergesslich bei Alltagstätigkeiten.


b) Mindestens sechs der folgenden Symptome von Hyperaktivität-Impulsivität treten seit wenigstens sechs Monaten auf und sind keine altersgemäße Entwicklungsphase:

Zappelt oder windet sich auf dem Stuhl. Sitzt ungern und verlässt oft den Sitzplatz, auch wenn Sitzen erwartet wird.

Rennt oft herum oder klettert überall hoch in unpassenden Situationen. Jugendlichen oder Erwachsenen sind ruhelos

Ist beim Spielen meist sehr laut.

Ist umtriebig oder benimmt sich oft wie von einem Motor angetrieben.

Redet oft übermäßig viel.

Platzt oft mit der Antwort heraus, bevor Fragen komplett gestellt sind.

Hat oft Mühe zu warten, bis er/sie an der Reihe ist.

Unterbricht oder stört oft andere bei Unterhaltungen oder Spielen.


2. Einige dieser Symptome waren bereits vor dem siebten Lebensjahr vorhanden.

3. Die Symptome treten nicht nur daheim oder in der Schule, sondern in mindestens zwei verschiedenen Umgebungen auf.

4. Es muss eine deutliche Beeinträchtigung im sozialen, Lernleistungs- oder beruflichen Bereich vorliegen.

5. Die Symptome treten nicht ausschließlich im Rahmen einer umfassenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie, oder anderen Psychose auf und sind nicht besser erklärt durch eine andere psychische Störung (z.B. emotionale Störung, Angststörung, Dissoziationsstörung, abnorme Persönlichkeit).

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Wie wird ADHS diagnostiziert?

Grundsätzlich ist anzumerken, das eine fundierte und sorgfältige Diagnostik nur von wirklich erfahrenen Ärzten/Fachleuten auf diesem Gebiet durchgeführt werden kann / sollte.

ADHS lässt sich weder durch Röntgen oder Bluttests nachweisen und auch anhand des Urins kann man ein ADHS nicht erkennen. Der Übergang zwischen normalem Verhalten und ADHS ist oftmals schleichend.

Fachleute sind in der Regel das Sozialpädiatrische Zentrum, Kinder- und Jugend- Ärzte mit Zusatzausbildung , Psychiater, Kinder- und Jugend- Psychiater, sowie Psychologen.

 

Diagnostische Verfahren

Anamnese:

Familiensituation, Erkrankungen in der Familie - auch Verhalten-sauffälligkeiten und Lern-Leistungs-Karriere-Besonderheiten, Alkohol-, Nikotin-, Drogenmissbrauch, psychiatrische Erkrankungen, Schwangerschaft, Geburt, Entwicklung, Vorerkrankungen, derzeitige sonstige Beschwerden.

Befragung der Eltern und anderer Bezugspersonen zu Sozial-, Lern-, Leistungsverhalten, Persönlichkeitsstruktur; Fremdbeurteilung von Sozial- und Lernverhalten, Leistungen auch durch Zeugnisse.

Klinischer Untersuchungsbefund:

Unverzichtbar, um einen umfassenden Eindruck vom Patienten zu erhalten. Schließt andere Verhaltensursachen wie Juckreiz bei Ekzemen oder Allergien bzw. Hör- und Sehschwäche aus. Untersucht Koordination und beurteilt das Verhalten bei der Untersuchung (Kooperationsfähigkeit, Gestik, Mimik, Sprache, Geräusche).

Verhaltensbeobachtung:

Während der Untersuchungen und der Anamnese.

Videoaufzeichnungen:

Optional. Hilfreich zur diagnostischen Beurteilung. Kann auch den Eltern die Auffälligkeit in Mimik, Gestik und Körpersprache oder die Aufmerksamkeitsabbrüche zeigen. Die elterliche Reaktion wird deutlich und demonstriert später einen Therapieerfolg.

ADHS-spezifische Fragebogentests:

Sie erfassen bestimmte diagnosetypische Verhaltensweisen.

Testpsychologische Untersuchungen:

Wichtig, um die ADHS-Symptomatik von anderen Krankheiten abzugrenzen, beispielsweise verringerter Intelligenz oder Legasthenie. Nach Möglichkeit wird mit Vorbefunden verglichen, beispielsweise der Einschulungsuntersuchung. Ansonsten werden Lehrer zur intellektuellen Leistungsfähigkeit und zum Aufmerksamkeitsverhalten befragt. Schulmappe und Hefte (Ordnung, Führung, Schrift, Einteilung) geben auch Hinweise auf Störungen.

Apparative Diagnostik:
EEG-Untersuchungen sind erforderlich, wenn der Verdacht auf ein Anfallsleiden besteht.

Quelle: http://www.ag-adhs.de

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Wie wird ADHS behandelt/therapiert?

Ein ADHS sollte immer „multimodal“ therapiert / behandelt werden. Das oberste Ziel sollte es sein, dem ADS-ler ein relativ "normales Leben" mit guten sozialen Kontakten, sowie einer qualifizierten Ausbildung und damit eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Da jeder ADHS-ler unter Mehrfachbeeinträchtigungen leidet, sollte auch die Therapie des jeweiligen ADHS mehrere Zielsymptome im Auge haben. Unter „multimodal“ versteht man eine Zusammenfassung aller sinnvollen Therapien und somit Ziele.

Teilschritte auf dem Weg zum obersten Ziel:

Verbesserung der Aufmerksamkeitsproblematik

Der ADHS-ler muss mühsam lernen, sich selbst und sein direktes Umfeld zu strukturieren. Je weniger Ablenkung, je geordneter sein Umfeld, desto höher ist die Chance, das er seine Aufgabe bis zum Ende verfolgt. Der ADHS-ler muss lernen, zu erkennen wann er abschweift und was ihm als Hilfe dienen kann, um sich selbst wieder zur eigentlichen Aufgabe „umzuleiten“. Das erfordert viel Selbstdisziplin und Kontrolle (Anfangs meist durch die Hilfe Außenstehender wie die Eltern/Lehrer ect.) später dann durch Selbstkontrolle. Im therapeutischen Sinne wird dies „ADHS-Coaching“ genannt.

Regulierung der Hyperaktivität

Ein ADHS-ler hat enorm viele Energien in sich schlummern. Es muss ein sinnvoller Weg gefunden werden diese Energien, diese innere Unruhe in ein sozial verträglichem Maß abzuleiten.

Mannschaftsspiele wie Fußball ect. sind dafür meist recht ungeeignet. Man muss bedenken das einem ADHS-ler die innere Bremse fehlt. Er stürmt übers Spielfeld, kann durch die Beeinträchtigung der Wahrnehmung ( Tunnelblick / Hyperfocus ) die Mitspieler nicht mehr mit einbinden und spielt somit quasi allein gegen alle. Das ist weder böse gemeint, noch Absicht, sondern „krankheitsbedingt“. Hinzu kommt das bei Mannschaftsspielen irrsinnig viele Reize zusammentreffen. Ein ADHS-ler kann wie oben schon einmal erwähnt, nicht zwischen Wichtig und Unwichtig filtern. Die Geschwindigkeit, mit der ein Spiel abläuft, die vielen Mitspieler, dazu die „Gegner“ , das Ziel Punkte/Tore zu machen/schießen, die anfeuernden Zuschauer am Spielfeldrand, der Schiedsrichter, der Vogel der auf der Wiese sitzt, das Flugzeug das gerade am Himmel fliegt und der LKW der nebenan vorbei brummt, das schreiende kleine Kind, das ein Eis möchte, alles wiegt gleichschwer und bekommt die gleiche Aufmerksamkeit. Folglich kommt es im ADHS - Gehirn zur Reizüberflutung, die letztendlich die Hyperaktivität nur noch mehr anheizt, bis die Kinder oftmals nicht mehr zu stoppen sind und es dann auch vermehrt zu Unfallen kommt. Es gibt jedoch auch Therapeuten die sich dies zu nutze machen um genau diese Problematik zu trainieren, nämlich die Selbststeuerung. Hier kommt es dann weder auf den Ausprägungsgrad des ADHS an. Für die Einen kann diese Therapie erfolgreich sein für den Anderen ist es die absolute Überforderung.

Wesentlich besser geeignet sind Eins- zu –Eins Situationen. Energien abbauen durch ruhige konzentrierte Kampfsportarten z.B. wo es um das überlegte Einsetzen von Taktik, Strategie und Kraft geht, aber auch um „kurzfristige“ Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Denn gerade dort liegt oftmals auch die Stärke eines ADHS-lers. Oder aber das kraftvolle Bearbeiten von Materialien wie Ton, Holz, ect. Da überaus viele ADHS-ler sehr kreativ sind, wird auch das viele Kinder ansprechen.

Verbesserung der Impulskontrollstörung

Ein ADHS-ler neigt dazu, seinen Gefühlen immer und jederzeit freien Lauf zu lassen. Ist er/sie sauer bekommen das wirklich alle mit, freut er sich ist er total überschwänglich und reißt alle rundherum mit. Ist er/sie traurig, meint man die Welt geht gerade unter. Bei guter Laune hat er die Gabe alle anzustecken, bei schlechter Laune aber ebenso, weil jedes Gefühl ungefiltert ausgelebt wird.

Der multimodale Behandlungsansatz setzt sich in der Regel durch folgende Einzelpunkte zusammen:

Wie oben schon ersichtlich durch das „ADHS-Coaching“, oder auch Wahrnehmungstrainig genannt. Hierin sollen möglichst all die Teilschritte zum obersten Ziel eingebunden werden. Es geht explizit darum, den Kindern zu einem strukturierten und organiserten Arbeitsverhalten zu verhelfen (Selbstinstruktionstraining) und/oder sie dazu zu befähigen, eigenes Problemverhalten zu erkennen und dem entgegenzuwirken (Selbstmanagement).

Elternaufklärung / Beratung

Die Eltern werden genau über das Erscheinungsbild dieser Erkrankung aufgeklärt. Sie müssen sich darüber klar werden (so anstrengend und „ungezogen“ das Kind auch scheint) das ihr Kind das nicht aus böser Absicht macht oder weil es nicht will, sondern weil es nicht anders kann !!!

Die Eltern müssen lernen, wie es dazu kommt, das ihr Kind so ist, wie es ist und so reagiert, wie es regiert. Denn nur wer dieses Wissen hat, kann letztendlich verstehen und dann auch helfen.

Den selben Stellenwert bezüglich Wichtigkeit nimmt anschließend natürlich die Beratung ein.

Was brauchen diese Kinder?
Wie geht man mit Ihnen um?
Wie vermeidet man eine Eskalation?
Was verschlimmert die Situation des Kindes / was gilt es zu vermeiden?


Lehrer- / Erzieheraufklärung und Beratung

Genauso wichtig wie die Elternaufklärung und Beratung ist natürlich auch die Aufklärung weiterer sozialer Bezugspersonen. Ein ADHS-Kind wird in einer Kindergruppe meist auffallen, oft unangenehm, wird schnell als nicht „tragbar“ eingestuft und im schlechtesten Fall „ausgemustert“. Sehr schnell rutschen diese Kinder dann in die sozialen Randgruppen.

Wissen Lehrer und Erzieher jedoch um das Krankheitsbild und Symptomatik des Kindes, als auch deren physiologischer Begründung, fällt ein Verstehen und somit Helfen wesentlich leichter. Auch diese Bezugspersonen benötigen jedoch oftmals individuelle Beratung zu jedem spezifischen Kind.

Elterntraining

Da Eltern mit ADHS-Kindern sehr oft in „hilflose Situationen“ kommen, die im schlechtesten Fall zu Handgreiflichkeiten führen oder auch im Laufe der Zeit in eine Art „Interesselosigkeit“ an ihrem Kind (aus Hilflosigkeit … „es bringt ja sowieso nichts“), gebührt dem Elterntraining besondere Beachtung.

Im Elterntraining lernen die Eltern ganz gezielt mit den Symptomatiken des ADHS-lers umzugehen, sie lernen Fehler zu erkennen und zu vermeiden und sie lernen die wichtigsten Eckpfeiler, die nötig sind um ein solches Kind zu „führen und zu leiten“. Ebenso erfahren sie, was im Alltag für diese Kinder hilfreich sein kann und welche „Fehler“ es zu vermeiden gilt. So gelangen die Eltern selbst aus ihrer Hilflosigkeit heraus und übernehmen wieder die erzieherische Führung.

Intervention in der Familie einschließlich Familientherapie

Intervention bezeichnet den Versuch, die Belange und Probleme der Familie anzusehen und bewusst zu verändern. Man verändert bewusst eingefahrenen Handlungsweisen und Reaktionen, um die Problematiken somit möglichst systematisch zu lösen.

Intervention im Kindergarten / in der Schule

Siehe oben (Intervention in der Familie)

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Pharmakotherapie ( medikamentöse Behandlung)

In der medikamentösen Behandlung sind Stimulanzien auf Grund ihrer Erwiesenen Wirksamkeit Medikamente der ersten Wahl.

Die Indikation zur Stimulanzien-Medikation ist bei gesicherter Diagnose nach ICD-10 oder DSM IV-Kriterien gegeben, wenn:

die Symptomatik ausgeprägt ist und
   
eine psychoedukative (unter diesem Begriff versammeln sich alle Maßnahmen, die zum Ziel haben, Betroffene über ihre spezielle Problematik (Lebenssituation, Krankheit etc.) fachgerecht aufzuklären, Alternativen zu entwickeln und ihnen dabei zu helfen, dieses Wissen erfolgreich anzuwenden) und psychotherapeutische Hilfe nicht umsetzbar oder nicht innerhalb der Frist einiger Wochen hilfreich war.


Die Behandlung sollte in der Regel mit einem schnell freisetzenden Stimulans beginnen. Die Dosierung der Stimulanzien ist individuell zu bestimmen.

Bei Methylphenidat ist der Wirkungseintritt nach etwa einer halben Stunde, für die Dauer von etwa vier Stunden, zu erwarten.

Dosierung:

Bei Schulkindern liegt die tägliche Dosis von Methylphenidat in der Regel zwischen 0,3 bis 1 mg/kg Körpergewicht pro Tag, verteilt auf 1 – 3 Einzeldosen.

Die Tagesdosis der schnell freisetzenden Aplikationsformen von 60 mg oder die Maximaldosis von 1 mg / kg Körpergewicht pro Tag sollte in der Regel nicht überschritten werden. Die Obergrenze ist in den Angaben der BtM-Verschreibungsverordnung der Bundesopiumstelle mit 1 mg/kgKG/Tag und 60mg als Gesamttageshöchstdosis festgelegt, wissenschaftlichen Untersuchungen entsprechen diese Angaben nicht.
Fest steht, dass eine höhere Tagesdosis-Therapie das Risiko erheblicher unerwünschter Wirkungen wesentlich vergrößert. Allerdings existieren zum Dosiswirkungsproblem bei Erwachsenen mit ADHS auch andere Befunde.

Die Einstiegstagesdosis liegt im Schulalter meist bei 5 mg / Tag, die Steigerung bestimmt sich nach Wirkung bzw. unerwünschter Wirkung. Die Zeitpunkte der Medikation werden so gewählt, dass das Kind die kritischen Tagesanforderungen (z. B. Schul- und Hausaufgabenzeit, auch Berufs- und kritische Freizeitbereiche) bewältigen kann. Für den Therapieerfolg sind eine ausreichende Dosierung, verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen, und kontinuierliche Beratung in monatlichen Abständen ausschlaggebend.

Innerhalb der Stimulanzien-Therapie gibt es noch Retardpräparate:

Retardformen beinhalten Methylphenidat, das in einer ersten Phase rasch und in einer zweiten Phase verzögert freigesetzt wird, so dass bei einmaliger morgendlicher Gabe die Wirkung zwischen 8 bis 12 Stunden andauert.

Die Indikation für die, gegenüber den schnell freisetzenden Präparaten zur Zeit wesentlich teurere Retard-Medikation ist gegeben, wenn eine verlässliche Mehrfach-Gabe dieser Präparate nicht möglich ist und ein stabiler Tageseffekt auf andere Weise nicht erreicht werden kann. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass gegenüber schnell freisetzenden Präparaten beim Retardpräparat Concerta allerdings von einer etwas höheren Tagesdosis auszugehen ist.

Als Medikament zweiter Wahl kann nach dem derzeitigen Kenntnisstand Atomoxetin angesehen werden, bekannt unter dem Namen Straterra.
Atomoxetin ist nach Methylphenidat und Amphetamin die am besten untersuchte Substanz mit guter Beweislage (klinische Studien. )Der Stellenwert dieser Substanz muß sich in der Praxis noch beweisen. Das Nebenwirkungsprofil erscheint günstig. Man muss allerdings auf die Leberfunktion achten, da Atomoxetin, welches über die Leber abgebaut wird, in Einzelfällen Leberenzym- und Bilirubinwerte reversibel erhöhen kann
Atomoxetin gehört in die Gruppe der Antidepressiva und unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. In den USA und England ist es zur Behandlung von ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter zugelassen. In Deutschland gilt dies jedoch nur für Kinder und Jugendliche, bei letzteren ist jedoch auch eine Fortführung der Behandlung bis ins Erwachsenenalter erlaubt.

Mittel der dritten Wahl:

Ein weiteres Produkt das laut Bundesärztekammer für die Behandlung eines ADHS für Kinder zugelassen ist, lautet Pemolin.

Pemolin ist ein Psychostimulans vom Nicht-Amphetamin-Typ. Es unterliegt nicht der Betäu-bungsmittelgesetz. Die Zulassung zur Behandlung von ADHS besteht für Kinder ab 6 Jahren. Der Wirkungseintritt ist innerhalb von 3-4 Behandlungswochen zu erwarten. Pemolin ist potentiell leberschädigend. Häufig kommt es zum leichten Anstieg der Leberenzyme. Zwei Publikationen zu tödlichem Leberversagen liegen vor. Es darf daher nur unter engmaschiger Kontrolle der Leberfunktionsparameter durch Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie erstverordnet werden, wenn die Behandlung mit Methylphenidat und Amphetamin erfolglos war. Eine Weiterverordnung ist nur durch Kinder- und Jugendpsychiater und Kinder- und Jugendärzte erlaubt. In der Praxis jedoch wird dieses Medikament aufgrund des Nebenwirkungsprofils nur noch äußerst selten verschrieben, da der zu erwartende Nutzen mit den zu erwartenden Nebenwirkungen nicht unbedingt gerechtfertigt erscheint.

Trizyklische Antidepressiva haben sich ebenfalls in der Behandlung des ADHS als wirksam erwiesen. Doppelblind-Studien zeigten gegenüber Placebo positive Effekte für Imipramin und Desipramin. Wegen kardiotoxischer Nebenwirkungen ist eine engmaschige Kontrolle von EKG, Blutdruck und Pulsfrequenz erforderlich. Bei unerwünschten Wirkungen und v. a. unzureichender Compliance empfiehlt sich die Bestimmung der Serumspiegel.

Desipramin kann bei ADHS auch komorbide Tics mindern.
Imipramin kann bei Kindern ab dem Alter von sechs Jahren verordnet werden.

Clonidin ist eine alpha-2-noradrenerge Substanz, die präsynaptisch wirkt und die Noradrenalin-Ausschüttung verringert. Sie kann zum Einsatz kommen, wenn Stimulanzien und trizyklische Substanzen sich als unwirksam erwiesen haben oder kontraindiziert sind. Die Prüfung der Wirksamkeit erfolgt nach 6-wöchiger Behandlung mit der Enddosierung. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Sedierung, Benommenheit und Depression. Kontraindikationen beinhalten Herzrhythmusstörungen und Depressionen; besondere Vorsichtsmaßnahmen sind bei eingeschränkter Nierenfunktion nötig. Die Medikation sollte wegen der dann bestehenden Gefahr von Hypertension (Bluthochdruck) und Tics nicht abrupt beendet werden

 

 
Dauer der Medikation

Die Dauer der Medikation gestaltet sich von Betroffenen zu Betroffenen individuell verschieden.
Sollte jedoch 6 Wochen nach Beginn der Medikation mit Methylphenidat keine signifikanten Veränderungen zu erkennen sein, muß gegebenenfalls nochmals Diagnose, Qualität der Wirksamkeitskontrolle, Dosierung und Compliance (bedeutet, dass die richtige Tablette in der richtigen Dosierung zum richtigen (vom Arzt vorgeschriebenen) Zeitpunkt eingenommen wird) überprüft werden.

Führt Methylphenidat nicht zum erwünschten Effekt, ist oftmals der Versuch mit Amphetamin hilfreich und erfolgversprechend.
Eine begonnene Medikation sollte mindestens 1 Jahr konsequent durchgeführt werden und im Anschluß jährlich überprüft werden.

Bei einer mehrjährigen und somit längerfristigen Stimulanzientherapie empfiehlt sich bei fraglicher Indikation ein so genannter „Auslass-Versuch“. Verschärft sich das bestehnde ADHS-Bild signifikant, so rechtfertigt und empfiehlt sich eine mehrjährige, kontinuierliche medikamentöse Behandlung auch bis ins Erwachsenenalter hinein.

Laut praktischen Erfahrungen benötigt ein Erwachsener im Gegensatz zu Kindern meißt eine geringere Dosis Stimulanzien (bezogen auf das Körpergewicht), als das Kind.
Einen wissenschaftlich erklärbaren und eindeutigen Grund gibt es diesbezüglich jedoch nicht.

Für eine Reihe weiterer alternativer Ansätze (z. B. Bachblüten-Therapie, .Wahrnehmungs-Training.; Vitamin- und Mineraliengaben) liegen Berichte vor, ohne dass zu diesen Verfahren Wirksamkeits-nachweise gegeben sind. Dies gilt auch für die Homöopathie bezüglich deren Anwendung immerhin Publikationen existieren. Diätetische Verfahren (Eliminationsdiät), die meist extrem aufwändig und wenig praktikabel sind, sind bei sachgerechter Durchführung in etwa 1 . 2 % der Kinder mit ADHS hilfreich und können nicht als regelhafte Therapie empfohlen werden.

Quellen:

http://www.ag-adhs.de

Stellungnahme der Bundesärtzekammer zu ADHS

 

 

 

Links

ADHS Verband Deutschland

ADHS aus der Sicht einer Kinderärztin
Dr. med. Roswitha Spallek

 
 
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